700 Jahre Bürgerspital Würzburg

Historische Weinverkostung
110 Jahre Weingeschichte des 
Bürgerspitals in Würzburg

Anlässlich des 700-jährigen Jubiläums luden Stiftungsdirektorin Annette Noffz und Weingutsleiter Robert Haller zu einer fulminanten Schatzkammer-Weinprobe. Im Bürgerspital hat Weinlagerung Tradition. Rund 25.000 Bouteillen lagern in den Tiefen des historischen Weinkellers. Hier werden die reifen Weine gepflegt und gehegt. In den letzten Monaten haben Robert Haller und Weinfachberater Hermann Mengler mit den Kellermeistern einen großen Teil des Sortiments verkostet, auf Zukunft bewertet und individuell beschrieben. Eine konzentrierte Leistung, unersetzlich für den Überblick und wegweisend für nachfolgende Generationen, um wichtige Entscheidungen nachvollziehen zu können. Im Anschluss werden die angebrochenen Bocksbeutel mit dem gleichen Wein des Jahrgangs aufgefüllt und neu verkorkt. Einzelflaschen füllt man mit Glaskugeln, um eine ungewollte Oxidation zu vermeiden. Bei dieser Verkostung handelt es isch um ein elementares Ritual, welches in der Regel alle 20 bis 25 Jahre stattfindet. Für die historische Probe anlässlich der 700-Hundert-Jahrfeier wurden schließlich 16 Weine ausgewählt. Darunter nicht nur große Jahrgänge oder edelsüße Weine, sondern auch schlanke, fränkisch-trockene, athletische Vertreter mit brillantem Entwicklungspotential. So war die Reihenfolge der der Weine nicht wie gewohnt nach Jahrgängen, sondern nach Intensität, wahrnehmbarer Süße, sensorischem Alter und vor allem nach Spannung angelegt.

Teilnehmer der Probe in alphabetischer Reihenfolge: Georg Bayerle, Daniel Deckers, Albert de Jong, Markus del Monego MW, Till Ehrlich, Gerhard Eichelmann, Sarah Jane Evans MW, Christina Fischer, Ralf Frenzel, Paul Fürst, Ralph Galvagni, Robert Haller, Thomas Hammerich, Peter Henk, Marcus Hofschuster, Kazuo Hoshino, Hugh Johnson, Robert Macgregor, Hermann Mengler, David Messineo, Annette Noffz, Joel B. Payne, David Peppercorn MW, Gerald Pütter, Stephan Reinhardt, Ulrich Sautter, Michael Schmidt, Axel Schmidt, Christian Schuchardt, Artur Steinmann, Herbert Stiglmaier, Serena Sutcliffe MW.

1990 Randersackerer Teufelskeller Riesling Spätlese trocken
Zart duftend, fast jugendlich, etwas Minze, Zitrus und weißer Pfeffer, trocken, feiner Schmelz und sanfte Dichte. Anmutige Struktur, lebhaftes Säuregerüst. Beispielhaft für die mögliche Lagerfähigkeit eines trockenen Rieslings aus einem vorteilhaften Jahrgang. Langanhaltende, kühle Prägung. Der Riesling wirkt selbst nach geraumer Zeit im Glas immer noch frisch. Leisetreter mit Potential. 92/100

Allgemein: Das Jahr 1990 startete mit einem geradezu warmen Februar, beruhigte sich dann wieder, es folgte ein ganz normaler Austrieb. Frühe Blüte am 25. Mai, gefolgt von Verrieselung zwischen dem 13. und 25. Juni. Viel Sonnenschein, ein trockenes, fast heißes Jahr. Im oberen Bereich des Teufelkellers stehen die Reben auf Muschelkalk, in der Ebene in einem tieferen Boden mit Ton und Eisenoxyden. Dank der besonderen Bodenbe-schaffenheit und 100 Prozent Steigung zeigt die Rebsorte Riesling in dieser Lage kontinuierlich geschmacklich nachvollziehbare Akzente.
Steckbrief: Mit 91 Grad Oechsle und ansprechender Säure am 16. Oktober gelesen.

1980 Würzburger Pfaffenberg Weissburgunder Kabinett trocken
Hellfarbig. Ausdrucksvoll, sanft gereift, würzig, ein wenig nussig, duftet nach Champignons und Herbstlaub. Speckig, saftige Noten. Sehr gute Konzentration für einen 36 Jahre alten  trockenen Kabinett mit gerademal 0,2 Gramm Restzucker aus solch einem schwierigen Jahr. 86/100
Allgemein: Durch die Feuchtigkeit war es nicht einfach „gesunde“ Trauben für trockene Weine zu lesen. Kaltes Blütewetter, viel Regen, die Heizungen liefen bis zum 12. Juli. Es folgte mildes Sommerwetter bis Ende September, dann erneut Regen, gefolgt von Fäulnis. Die Lese fand zwischen dem 8. Oktober und 11. November statt. Am 14. November folgte bereits der erste Frost. Es folgten Wetterschwankungen zwischen 15 Grad plus und 15 Grad minus. Am 1. November fror die Kelter beim Pressen ein und im folgenden Frühjahr folgte heftiger Spätfrost im April. Die Reben wurden 1970 gepflanzt, sie waren damals zehn Jahre alt und stehen noch heute im Ertrag. Die Hälfte des Weines wurde im großen, alten Holzfass ausgebaut, die andere Hälfte im Edelstahl. Zu dieser Zeit wurde noch sehr viel mit Holzfässern gearbeitet, was sich damals nach und nach in Richtung Edelstahl änderte. Heute werden bereits wieder 30 bis 40 Prozent im Holzfass ausgebaut. Steckbrief: RZ 0,2 g/l | S 8,0 g/l | 11%/Vol. | Ertrag: 42 hl/ha

1975 Thüngersheimer Scharlachberg Silvaner Kabinett
Insgesamt weich, gemüsige Aromen, die sich mit Sauerstoff verlieren. Reifer Jahrgang, harmonische Aromatik, moderate Säure. Angenehme Karamell-noten, etwas Quitte, eingebundene Säure, sanfter Schmelz. Gut gereift, intensives, fruchtgeprägtes Aroma. Reife Silvaner benötigen Luft! Robert Haller fügt erklärend hinzu: „Die meisten 1975er Weine wurden allgemein unterschätzt und unter ihrem Wert verkauft. Die Verkostung zeigt, dass sich Weine aus warmen Jahren, mit weniger Säure, auch noch nach langer Zeit sehr gut präsentieren. Hervorragende lagerfähige Weine entstehen nicht durch Säure, hohen Alkohol oder durch kellerwirtschaftliche Einflüsse, sondern allein durch reifes und gesundes Lesegut und eine saubere, reduktive Ausbauart. Botrytis ist dabei tödlich.“ 88/100
Allgemein: Ein Musterbeispiel für einen Wein des Jahrgangs 1975, vielleicht vergleichbar mit 2015. Das Jahr startete mit kalter Witterung bis in den März, es folgte ein trockener, heißer Sommer. Die Niederschläge fielen zum richtigen Zeitpunkt. Allerdings ein allgemein unterschätzter Jahrgang, weil mit 1976 ein deutlich besser bewertetes Jahr mit Botrytis und wesentlich höheren Mostgewichten folgte. 1970 wurden im Bürgerspital die ersten  Edelstahltanks aufgestellt, dennoch wurde immer großen Wert auf den Holzfasskeller gelegt. Parallel wurden ab 1975 die Holzfässer aufgestockt.
Steckbrief: Analyse: RZ 15,0 g/l | S 4,0 g/l | 10,7 % Vol. | Ertrag: 90 hl/ha

1959 Randersackerer Spielberg Riesling
Im Duft eine Spur medizinisch. Am Gaumen äusserst angenehme Frische, fruchtige Noten, Apfel, zarte Würzigkeit, sanfter Schmelz, anregend herbe Noten und angenehme Saftigkeit. Gut balanciert, keinerlei Petrolnoten. 90/100
Allgemein: Die geöffneten Flaschen zeigen sich sehr unterschiedlich. Zudem wird die fehlende Petrolnote diskutiert. Hermann Mengler erläutert, dass in heißen Jahren die Trauben dickere Schalen als Schutz ausbilden, deswegen auch Rieslinge aus heißen Klimaten höhere Petrolnoten aufweisen. „Bei mehr als 30-40 Jahre alten Rieslingen ist in der Regel keine Petrolnote mehr erkennbar. Durch Oxidation werden diese Töne nach und nach abgebaut. Beispielsweise ist bei Australischen Rieslingen die Petrolnote wesentlich ausgeprägter als bei ihren europäischen Pendants. Man führt das auf die extrem große Hitze und die ultravioletten Strahlen zurück.“ 1959 gab es Ende April eine Frostnacht  mit minus sechs Grad Celsius, was zu über sechzig Prozent Schäden führte. Anschließend folgte ein trockener Sommer. Beginn der Lese: 21. September. Ein Jahrgang mit sehr reifen Weinen und geringer Säure. Anmerkung von Robert Haller: „Ab Mitte der 1960er Jahre hat man nach und nach begonnen, Reinzuchthefen einzusetzen.
Steckbrief: Analyse: RZ 1,6 g/l | S 5,7 g/l | 11,5 %/Vol. | Ertrag: 44 hl/ha

1949 Würzburger Stein Silvaner
Zunächst oxidativ, was sich aber mit Sauerstoffzufuhr ändert. Karamell, Butterscotch und Nougat. Lebhafte, erfrischende Säure. Zarte Rauchigkeit und animierende Phenole, die für anregend herbe Balance sorgen. Apfelschalennoten. Herzhafte Frische und anmutige Länge mit nachdrücklicher Mineralität, die mit Nachhall am Gaumen bleibt. 92/100
Allgemein: „Andächtige Stille“ während der Verkostung der letzten Flasche des 66 Jahre alten „Naturweins“, der seine Muschelkalk-Mineralität auf anmutige Weise präsentiert. Es handelte sich um einen sehr gesunden Jahrgang, keine Botrytis. Im oberen Teil des Steins gab es erhebliche Schäden durch Kälte im Mai. Die Blüte fand Anfang Juni statt, es folgte nasskaltes Wetter mit einem trockenen Sommer und hoher Hitze. Zu allem Unglück gab es am 30. September den ersten Frost. Mit lediglich 12 hl/ha wird diesen Jahrgang mehr oder weniger als Totalausfall bezeichnet. Die Mostgewichte waren hoch, die Säure niedrig. Lediglich eine Flasche vorhanden, damit ist dieser Wein Geschichte.
Steckbrief: Es gibt keine Werte aus diesem Jahr, aufgrund der letzten Flasche hat Robert Haller auf eine Analyse verzichtet. In der Regel wurden die Weine damals so belassen, wie sie aus der Gärung kamen. Die Trauben hatten in diesem Jahr im Durchschnitt rund 87 Oechsle Mostgewicht, was einem Alkoholgehalt von 11,5 bis 12 Volumenprozent entspricht. Hermann Mengler erläutert die Entwicklung: „Bei Silvaner treten mit der Zeit Säure und Süße sensorisch zurück, während sich die Phenole anmutig mit animierende, herber Frische in den Vordergrund schieben.“

1934 Würzburger Neuberg Silvaner
Sehr ausgeprägter Duft, zart rosinig, duftet nach Trockenobst und Orangenschalen. Am Gaumen wirkt der Silvaner allerdings wesentlich jünger. Schmeichelnd, saftig, süffig, brilliert mit Honigsüße, Trockenobstaromen und deutlich höheren Restzuckerwerten als die Vorgänger. 95/100
Allgemein: Robert Haller attestiert dem Silvaner eine hohe Qualität: „Wir vermuten mindestens eine Auslese, eher Beerenauslese. Den 2. Weltkrieg haben in der Stiftung keine Weine mehr überdauert, alle Weine wurden ab den 1950er Jahren zurückgekauft. Die Unterlagen gingen im Wesentlichen ebenfalls verloren. Es gibt Unterlagen von 1949 zu diesem Wein: es wurden 360 Liter gefüllt und noch bis 1953 verkauft.“  Mit rund 25 hl/ha Ertrag war 1934 nach damaligen Maßstäben ein ertragreicher Jahrgang. Es war ein eher heißes Jahr. Die besten Lagen litten an Trockenheit. Die Lese startete bereits am 10. September. Am 29. Oktober wurden noch 26 Grad Celsius gemessen. Im Bürgerspital begann mit Einstellung eines neuen Betriebsleiters 1932 eine neue Ära. Insgesamt gab es in 180 Jahren lediglich sechs Betriebsleiter, was einem Durchschnitt von rund 30 Jahren ausmacht. Lediglich eine Flasche vorhanden, damit ist auch dieser Wein Geschichte.
Steckbrief: Es gibt keine Werte aus diesem Jahr

1904 Würzburger Schalksberg
Sanfter Duft, enorme, sehr lebhafte Säure. Vielschichtig, zart nussig, getrocknete Apfelringe. Markus Del Monego: „Gradlinig, klar, spannend, sehr komplex, wird mit Sauerstoff immer intensiver. Diesen Wein hätte man ohne weiteres dekantieren können.“ Was sich aufgrund seines Alters verständlicherweise niemand getraut hat. Diesem Wein muss man die Chance geben, sich im Glas zu entwickeln und sicherlich auch ein wenig seinem Alter entsprechenden Tribut zollen. 93/100

Allgemein: Muss nach recht langer Durststrecke ein sehr guter Jahrgang gewesen sein. Auf der Weltausstellung 1910 wurden Weine aus Würzburg geehrt, darunter auch dieser Wein ohne Rebsortenangabe. Vermutlich handelt es sich um einen gemischter Satz. Das Gewann Schalksberg ist ein Teil des Würzburger Steins, liegt aber nicht im steilsten Teil und ist deshalb heute hauptsächlich mit Silvaner bestockt. Lediglich eine Flasche vorhanden, damit ist auch dieser Wein Geschichte.

Steckbrief: Es gibt keine Werte aus diesem Jahr.

1953 Würzburger Stein Traminer Spätlese
Zunächst Kohlnoten im Duft, was sich mit Sauerstoff zu einer klare Traminer-Charakteristik mit Rosen- blütenaromen wandelt. Spürbare Restsüsse, geringe Säure, bedingt durch den reifen Jahrgang. Zeigt in der Länge trockene, leicht alkoholische Anklänge. 87/100
Allgemein: „Damals hatte eine fränkische Spätlese wahrscheinlich eine andere Bedeutung als heute.“ Hermann Mengler merkt an, dass hohe Säurewerte allein nicht entscheidend für die Lagerfähigkeit der Weine sind, sondern dass auch die Phenole mit ihrer anregenden Herbe eine wichtige Rolle spielen. „In den 50er Jahren war Franken am Ende. Nach dem guten Jahr 1953 folgte ein Katastrophen-Jahrgang nach dem anderen: 55, 56, 57 usw., erst dann folgte der Wiederaufbau. Die Talsohle in den 1950er Jahren wurde durch staatliche Hilfen durchschritten, wovon Franken noch heute profitiert.“ Dr. Daniel Deckers fügt erläuternd hinzu: „Franken hat damals im Gegensatz zu den im Westen handelnden Anbaugebieten Rheingau, Mosel, Saar und Ruwer, seine Weine im Osten verkauft. Mit der folgenden Schließung der DDR- und den Ostgrenzen brach der gesamte Markt weg. Der 1953er Jahrgang war der erste Jahrgang nach dem 2. Weltkrieg mit dem Deutschland national und international wieder auf die Bühne trat, da sowohl die Menge als auch die Qualität vielversprechend waren. Die Weine wurden sehr früh gefüllt, weshalb es viel Kritik gab. 1955 wurde das Bürgerspital Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).“ Steckbrief: Analyse: RZ 1,0 g/l | S 4,1 g/l | 12 %/Vol. | 99 Grad Oechsle | Ertrag: 51 hl/ha

 


1970 Randersackerer Teufelskeller Riesling Spätlese

Sanfter, reifer Duft. Kaum Petrol. Zarte, recht harmonische, etwas balsamisch geprägte  Spätlese, nicht allzu tiefgründig, moderate Länge, insgesamt sehr gut balanciert mit angenehmer Länge. In diesem Fall garantiert der leicht erhöhte Restzuckergehalt für die heutige Balance. 89/100

Allgemein: 1970 war ein eher schwieriges Jahr mit moderaten Mengen. Nach einem kühlen Frühjahr mit einem späten Austrieb folgten Trockenheit und Wassermangel. Gelesen wurde mit 87 Grad Oechsle und einen Ertrag von gut 100 hl/ha.

Steckbrief: Analyse: RZ 19,0 g/l | S 6,0 g/l | 10 % Vol. | Ertrag: keine überlieferte Ertragsangabe aber hoher Gesamtertrag (um die 100 hl)

 

 

 

1976 Würzburger Stein-Harfe Silvaner Spätlese
Feingliedrig, leicht, frisch und fruchtbetont. Mandarinenaromen, getrocknete Ananas, etwas Banane und Birne. Wirkt fast eine Spur exotisch, allerdings hat sich die Süße im Lauf der Reife sensorisch zurückgenommen. Am Gaumen eher gemüsige Anklänge. Anregend phenolische, leicht herbe Noten in der Länge, was dieser Spätlese ein festes Gerüst, entsprechende Struktur und eine feingliedrige Balance verleiht. 92/100

Allgemein: 1976 wurde als großer Jahrgang gefeiert. Es war ein warmes Jahr. Sehr kurze Vegetations-periode. Es gab Frostschäden und Botrytis. Die eher frühe Lese fand zwischen dem 26. September und dem 22. Oktober bei 94 Grad Oechsle statt. Von diesem Wein gab es eine große Menge, rund 14.000 Liter, gefüllt wurde im Juli 1978.

Steckbrief: Analyse: RZ 17,0 g/l | S 5,0 g/l | 11 % Vol. | Ertrag: 55 hl/ha

 

 

1990 Würzburger Stein Gewürztraminer Spätlese
Angenehm feiner, fast eleganter, sehr typischer Duft. Rosenblüten, Lytchi und zarte Würzigkeit. Moderat spürbare Säure, es sind eher die Phenole, die dem kräftigen Gewürztraminer ein angenehm herbes Rückgrat und eine entsprechende Länge verpassen. 88/100

Allgemein: Die Trauben wurden mit rund 100 Grad Oechsle gelesen. Robert Haller fügt erklärend hinzu: „Das Bürgerspital zeigt zum Ende der achtziger Jahre Kontinuität. In dieser Zeit wurden in Franken viele Neuzüchtungen gepflanzt. Ebenso wie das Juliusspital ließ sich das Bürgerspital nicht von diesem Trend beeinflussen, vielmehr blieben sie bei bewährter Tradition und entwickelten gleichzeitig fränkische Individualität.“

Steckbrief: Analyse: RZ 6,0 g/l | S 4,1 g/l | 12,7 %/Vol. | Ertrag: keine überlieferte Ertragsangabe aber hoher Gesamtertrag (um die 100 hl)

 


1997  Würzburger Abtsleite Silvaner Spätlese trocken

Duftet nach Aprikose, rauchige, mineralische Anmutung, in der Länge von Phenolen geprägt. Der Silvaner hat es nach dem Gewürztraminer zunächst etwas schwer, berappelt sich dann aber und transportiert seine Muschelkalk-Charakteristik hervor-ragend. Wenig Opulenz, keine Breite sondern ein sehr geradliniger, animierender Wein. 92/100

Allgemein: Blitzsauberes Jahr. Heißer Sommer, kaum Botrytis. Gesundes Lesegut. Es gab straffe, gradlinige Weine. Beerenauslesen oder edelsüße Weine waren aufgrund des Klimas kaum möglich. Heute werden die Weine anders ausgebaut, nicht dem Schwefel geschuldet. Der Silvaner wurde im Holzfass ausgebaut aber nicht im Holzfass vergoren. Die Silvaner Spätlese wurde mit gut 91 Grad Oechsle gelesen.

Steckbrief: Analyse: RZ 3,1 g/l | S 6,2 g/l | 12,0 %/Vol. | Ertrag: 76 hl/ha

 



2003 Randersackerer Teufelskeller Riesling Spätlese

Lebhaft, frisch, nichts Überreifes. Eher ätherische Komponenten, etwas Zitrus, insgesamt klare, sehr gradlinige Aromatik, wahrscheinlich würde man bei einem „blind tasting“ nicht auf den Jahrgang 2003 tippen. Lediglich in der Länge etwas Rauchiges und herbe Noten. 91/100

Allgemein: Hermann Mengler weist auf die typischen Aromakomponenten heißer Jahre hin: „Man schmeckt, dass der Wein sehr fest und konzentriert ist, von kleinen Trauben stammt und einen hohen Glyzerinanteil aufweist. Die herbe Anmutigkeit ist auf einen hohen Phenolgehalt zurückzuführen. Um sich vor der Sonne zu schützen, haben die Trauben eine relativ dicke Traubenschale gebildet.“

Steckbrief: Analyse: RZ 8,0 g/l | S 6,0 g/l | 12,5 % Vol. | Ertrag: 52 hl/ha

 


1985 Würzburger Stein Riesling Auslese

Aprikose, Pfirsich, zarte Kräuternoten. Intensive Süße, allerdings sehr gut eingebunden, anregend, lebhaft und saftig. Aufgrund seiner hohen Süße entsprechendes Potential. Vielschichtig. Balance und Spiel. 94/100

Allgemein: Schwieriges Jahr, kaum Ertrag. Während das Bürgerspital aufgrund seines hohen Riesling-Anteils in frostsicheren Lagen gut 36 Hektoliter pro Hektar einbrachte, lagen die Durchschnittswerte in Franken gerademal bei 13,2 Hektoliter. Die Auslese wurde mit mit klarer, sauberer Botrytis und 107 Grad Oechsle gelesen, hatte zum Lesezeitpunkt gut zehn Säure. Für fränkische Verhältnisse war das damals eine Kuriosität, ausgeprägt in der Säure und eigentlich zu süß für eine Auslese nach damaligem Maßstab. Letztendlich wurden gerademal 107 Liter von diesem Wein gefüllt.

Steckbrief: Analyse: RZ 81,0 g/l | S 8,3 g/l | 9,5 % Vol. | Ertrag: 36 hl/ha

 

 

1967 Würzburger Stein Harfe Silvaner Spätlese
Hellfarbig, reduktiv. Gemüsig, duftet nach Senfkörnern, Kohl und benötigt Sauerstoff. Ein feiner Silvaner, der mit der Zeit lebhafte, minzige Aromen bekommt, sich ständig verändert und eher von zeitloser Balance als von Mächtigkeit lebt. Anmutiger Schmelz, erfrischende Fruchtnoten, anregend herbe Phenole in der Länge, Vielschichtigkeit und Potential. 93/100

Allgemein: 1967 war ein Ausnahmejahr in dieser ansonsten recht schwierigen Dekade, ein sehr gutes Jahr für Reife. Im Februar gab es einen Temperatursturz von plus 14 Grad auf minus 1 Grad Celsius. Die Blüte begann am 10. Juni. Die Lese begann am 27. September, dieser Silvaner wurde am 25. Oktober mit 94 Grad Oechsle gelesen und im großen alten Holzfass ausgebaut.

Steckbrief: Analyse: RZ 9,8 g/l | S 5,6 g/l | 11,5 % Vol. | Ertrag: 52 hl/ha im Mittel

 

 

 


1953 Randersackerer Hohbug Silvaner

Ausdrucksvoller Duft nach Karamell, Kakao, Nougat und getrockneten, reifen Früchten. Cremig, vollmundig, feinfruchtige, sehr köstliche Süße, lebendige Säure und balancierende, angenehm herbe Phenolstruktur. Botytis in Höchstform, die Trockenbeerenauslese besitzt noch Potential für viele Jahrzehnte. 97/100

Allgemein: 1953 war das Krönungsjahr von Queen Elisabeth. Dieser Wein wurde 1991 zum 800-jährigen Bestehen der Partnerstadt Dundee in Schottland an Queen Elisabeth als Geschenk übergeben. Die Lage Hohbug gehört heute zum Teufelskeller.

Steckbrief: Analyse: RZ 66,0 g/l | S 7,2 g/l | 12,4 % Vol. | Ertrag: keine genauen Angaben überliefert, Frankenweit ca. 25 hl/ha

 

Dank!
Für uns alle war es eine große Ehre, diese vinophilen Zeitzeugen der Bürgerspital-Geschichte verkosten zu dürfen. Ein immens wertvolles aber auch leider vergängliches Erlebnis, was im Nachhinein noch achtungsvolle Gänsehaut erzeugt. Großer Dank an Robert Haller, Hermann Mengler, Annette Noffz und alle Mitarbeiter des Bürgerspitals!

Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer
1955 gaben Rheingauer Winzer den Anstoß zur Gründung der „Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer“.
In Franken fanden namhafte Naturwein-Versteigerer, allen voran die großen Würzburger Güter Juliusspital, Bürgerspital und Staatlicher Hofkeller, erst nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Zuvor waren aus heute unerfindlichen Gründen zwei Versuche gescheitert, die Versteigerungen nach dem Vorbild der Naturwein-Versteigerer an Rhein und Mosel zu zentralisieren: der erste in der Gründungsphase des VDNV vor dem Ersten Weltkrieg, der zweite in der Zwischenkriegszeit. Nach 1945 mussten indes nochmals zehn Jahre vergehen, ehe die Franken die Konsequenz aus der Vernichtung des bedeutenden jüdischen Weinhandels in Würzburg und Kitzingen sowie aus dem Verlust der Märkte in Mittel- und Ostdeutschland zogen. Unter Führung von Albrecht Fürst zu Castell-Castell tat sich die Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer schon bald nach ihrer Gründung im Jahr 1955 als unbeugsame Verfechter des Naturweinprinzips hervor. Regelmäßig votierten sie gegen die Absicht der rheinischen Verbände, unter dem Deckmantel von „Notstandsmaßnahmen“ auch „verbesserte“ Weine auf den Markt zu bringen. Zu der heutigen Größe von annähernd 30 Mitgliedsbetrieben wuchs der zunächst nur eine gute Handvoll Mitglieder zählende Verein erst in den siebziger Jahren durch den Zusammenschluss mit den fränkischen Selbstvermarktern heran. Mit 855 Hektar bewirtschaftet der VDP Franken heute etwa 15 Prozent der im Ertrag stehenden Rebfläche der einzigen bayerischen Weinbauregion (6063 Hektar).

Vorsitzende:
1955-1958 – Karl Nägler, Würzburg
1958-1972 – Albrecht Fürst zu Castell-Castell, Castell
1973-1981 – Dr. Heinz-Martin Eichelsbacher, Würzburg
1981-1989 – Johann Ruck, Iphofen
1989-1993 – Rudolf Frieß, Würzburg
1993-1998 – Wolfgang Graf zu Castell-Castell, Castell
1998-2004 – Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell, Castell
2004-2007 – Carl Friedrich Erbprinz zu Löwenstein, Wertheim
2007 – 2014 – Karl Martin Schmitt, Randersacker
seit 2014 – Paul Fürst, Bürgstadt
Quelle Text Naturwein-Versteigerer: www.vdp.de

Historisch spielte das Bürgerspital neben den Mosel- und Rheingauwinzern bereits in der Vergangenheit eine tragende Rolle, weil es sich seit dieser Zeit im Kreis der deutschen Naturwein-Versteigerer befand. www.buergerspital.de/weingut/vinifikation/index

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